Ich schäme mich für meine KI-Bilder. Und dann merke ich, was das wirklich ist.
Heute Morgen habe ich ein Bild von mir durch ein Prüf-Tool laufen lassen.
Das Tool hat erkannt, dass das Bild mit KI erstellt wurde. Grüner Haken. „SynthID erkannt. Dieser Inhalt wurde mithilfe von OpenAI-Tools generiert.“
Ich habe das Ergebnis gesehen und sofort war sie da, diese Enge im Bauch. Die leise Stimme, die sagt: Das ist nicht echt. Du bist nicht echt. Wer sich KI-Bilder von sich selbst erstellen lässt, kann ja nicht mal das selbst.
Und dann kam der nächste Gedanke, der bei mir oft direkt hinterher kommt: Am liebsten würde ich einfach aufhören zu posten.
Das ist kein KI-Problem
Ich habe kurz innegehalten.
Weil ich diese Abfolge kenne. Der konkrete Auslöser wechselt, aber die Bewegung ist immer dieselbe: kleiner werden wollen. Einen Grund finden, der sachlich klingt, und ihn benutzen, um zu verschwinden.
Früher war es: Ich habe noch keine schicke Homepage. Ich bin nicht fotogen genug für Reels. Ich müsste das erst richtig lernen, bevor ich anfange.
Heute heißt der Grund SynthID.
Der Grund ist neu, das Muster ist alt.
Vielleicht ist dein Grund ein ganz anderer. Du wartest, bis du dich sicher genug fühlst, bevor du den Satz sagst, der dir auf der Zunge liegt. Bis du es richtig kannst, bevor du anfängst. Bis du so weit bist, dass niemand mehr etwas einwenden könnte. Der Grund wechselt. Die Bewegung darunter ist dieselbe: ein bisschen kleiner werden, ein bisschen weniger sichtbar sein.
Warum ich das überhaupt mache
Ich schreibe gern, das Schreiben ist das, wofür ich hier bin.
Was mich die letzten Jahre immer wieder aufgehalten hat, war nicht das Schreiben selbst. Es war alles danach. Das Bild suchen oder fotografieren lassen. Den Upload. Die Formatierung. Die kleinen technischen Schritte, die sich einzeln harmlos anfühlen und zusammen so viel Energie kosten, dass der Artikel manchmal einfach liegen geblieben ist. Fertig, aber nicht draußen. Weil der letzte Teil sich zu schwer angefühlt hat.
Ich habe KI-Tools dazwischengeschaltet, damit das Schreiben wieder passieren kann. Damit ich mehr zeigen kann. Das war eine bewusste Entscheidung, keine Abkürzung.
Was ich einer Klientin sagen würde
Ich habe mich gefragt: Was würde ich sagen, wenn jemand zu mir käme und erzählt, sie hat einen Weg gefunden, sich so zu zeigen, wie sie sich fühlt? Und schämt sich dafür?
Ich würde sagen: Ich finde es toll, dass du einen Weg gefunden hast.
Nicht mehr und nicht weniger.
Die Bilder, die ich generieren lasse, zeigen mich. Mein Gesicht. Meine Haltung. Den Ausdruck, den ich haben möchte, wenn ich über Dinge schreibe, die mir wichtig sind. Kein Tool erfindet das. Das bringe ich mit. Das Tool hilft nur, es sichtbar zu machen.
Das ist kein Schwindel, das ist Regie.
Was Scham über Werkzeuge wirklich sagt
Scham über die Art, wie man sich zeigt, ist selten Scham über das Werkzeug.
Sie ist fast immer Scham über das Sichtbarsein selbst. Das Werkzeug ist nur der nächste verfügbare Haken, an dem sie sich aufhängen kann.
Ich habe nachher kurz nachgesehen, wie viele Menschen inzwischen mit solchen Tools arbeiten. Es sind viele. Sich mit KI zu zeigen ist 2026 für unzählige Menschen längst Alltag. Menschen, die etwas zu sagen haben und einen Weg suchen, es sichtbar zu machen.
Mein Nervensystem kämpft gerade gegen eine Gefahr, die gesellschaftlich längst keine mehr ist.
Das ist das Verrückte an gelernter Scham. Sie aktualisiert sich nicht automatisch. Sie weiß nicht, dass die Welt sich weiterbewegt hat.
Ich kenne das. Ich schreibe seit Jahren darüber, warum es sich gefährlich anfühlen kann, wirklich gesehen zu werden. Und trotzdem überrascht mich das Muster manchmal noch.
Es kommt nicht mehr als offene Angst. Es kommt als kleine technische Bedenken. Als vernünftiger Einwand. Als der Satz: Das klingt nicht echt.
Und das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen einem echten Problem und einer gut verkleideten Angst.
Einen Weg finden zählt
Vielleicht hast du auch so einen Weg gefunden. Eine Art, dich zu zeigen, die für dich funktioniert. Die nicht der Standard-Weg ist. Die sich manchmal seltsam anfühlt von außen betrachtet.
Und vielleicht gibt es eine Stimme, die sagt: Das zählt nicht richtig. Das ist nicht das Echte. Warte, bis du es besser machst, bis du bereit bist, bis du dich nicht mehr versteckst hinter Hilfsmitteln.
Diese Stimme hat recht, dass du dich zeigst. Und sie lügt, wenn sie sagt, dass die Art und Weise nicht zählt.
Einen Weg finden zählt.
Alles Liebe,
Karen
